Donnerstag, 17. Februar 2011

TV-Bericht auf 3SAT / ZDF über Maran

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Christliche Hexen? Toleranz und Beliebigkeit


Ich habe da einen interessanten Text gefunden, den ich euch nicht vorenthalten möchte. Wahrscheinlich renne ich offene Türen ein, aber die Argumentation ist schlüssig. Das Original ist hier zu finden:

http://www.mysty.org/life/toleranz.html


Toleranz und Beliebigkeit- ein kleines Pamphlet

Anmerkung: Der folgende Text beschreibt ein bestimmtes Phänomen aus Hexenkreisen, das sich aber auf die ganze Esoterik-Szene übertragen lässt. Andere zu akzeptieren heißt nicht, sie nachzuahmen - im Gegenteil: es bedeutet, sie ihren eigenen Weg ohne Einmischung gehen zu lassen!

“Alle Religionen sind doch eigentlich im Kern dasselbe - und darum kann ich gleichzeitig Hexe sein und jüdisch, christlich, buddhistisch etc. - genau wie Christen, Buddhisten oder Juden gleichzeitig Hexen sein können.”

Ähnliches hört man aus Hexenkreisen immer wieder. Im folgenden möchte ich mich darüber auslassen, warum ich solche Aussagen für Blödsinn halte - und mich trotzdem nicht als intolerant betrachte. Ich werde dabei als Beispiel vor allem das Christentum heranziehen, da es die Weltreligion ist, mit der ich mich am besten auskenne. Ich denke aber, dass sich die Argumentation auf jede andere Glaubensrichtung übertragen läßt.

Hinter Statements wie dem obigen sehe ich folgende Argumente:

* 1. Es gibt einen inneren Kern, den alle Religionen gemeinsam haben.

* 2. Die Institutionen, Regeln und Bräuche, die mit der Ausübung einer Religion verbunden sind, sind dieser von außen auferlegt und haben mit der Religion selbst eigentlich nichts zu tun - man kann von ihnen absehen.

* 3. Es ist also eigentlich egal, welche Religion man ausübt - Hauptsache man sieht den Kern, der dahintersteht.

* 4. Es ist auch egal, ob man die Religion überhaupt ausübt, wenn man sagt, man sei Christin, Hinduistin oder Muslimin, dann ist man das auch.

* 5. Hexentum ist weniger eine eigene Glaubensrichtung als eine Weltanschauung, die man auf andere Religionen aufpropfen kann.

* 6. Hexentum zeichnet sich vor allem durch Toleranz aus - daher sollte eine Hexe sogar Wert darauf legen, zusätzlich noch andere Religionen auszuüben.

zu (1): Der innere Kern aller Religionen

Dass alle Religionen im Kern eins sind, ist ein schöner Gedanke, gegen den ich überhaupt nichts einzuwenden habe - auch wenn ich meine, dass er eigentlich in den Bereich der Mystik gehört. Auf jeden Fall ist es wichtig, Gemeinsamkeiten zu erkennen, um tolerant auf andere zuzugehen. Um aber Gemeinsamkeiten zu erkennen, muss man erst einmal unterschiedliche Positionen definiert haben. Wenn man etwa von Christen und Juden spricht, dann muss es Merkmale geben, die die einen von den anderen unterscheiden. Selbst wenn es so ist, dass alle Religionen etwas gemeinsames haben, so gibt es doch gleichzeitig entscheidende Unterschiede zwischen ihnen.

zu (2): Institutionen, Regeln und Bräuche einer Religion sind unwichtig

Gehen wir also davon aus, dass Religionen verschiedene Blickwinkel auf ein gemeinsames Prinzip darstellen. Was eine Religion von anderen unterscheidet, sind dann ihre Lehren, heiligen Bücher, ihr Welt-, Gottes- und Menschenbild, ihre Geschichte, ihre Riten und Gebräuche und auch ihre Institutionen.

Natürlich ist es möglich, heutzutage Christin zu sein und nicht in die Kirche zu gehen (obwohl es sicherlich genug Christen gibt, die da anderer Meinung sind). Sicherlich kann man sich von Teilen der Kirchengeschichte und den Aussagen bestimmter Kirchenvertreter distanzieren. Vielleicht kann man auch die christlichen Feiertage außer Acht lassen und trotzdem an den christlichen Gott glauben. Aber zumindest muss man an den christlichen Gott glauben - ansonsten wüsste ich wirklich nicht, wie sich eine Christin von anderen Menschen unterscheiden sollte. Und irgendwoher muß man wissen, wer dieser Gott ist. Dafür kann man sich an der Bibel oder anderer christlicher Literatur orientieren, oder man hat sein Gottesbild vom Pfarrer, den Eltern oder dem Religionsunterricht vermittelt bekommen - aber ganz ohne Kirche und Bibel geht es wohl kaum.

Selbst eine Minimalchristin würde also nicht ganz ohne christliche Institutionen auskommen. In dem Moment, wo sie auch noch ihr christliches Gottesbild ablegt, etwa um fortan die große Göttin zu verehren, gäbe es kein Kriterium mehr, anhand dessen man sie als Christin einordnen könnte.

zu (3): Es ist egal, welche Religion man ausübt, solange man den Kern sieht

Ist es wirklich egal, welche Religion man ausübt? Wenn dem so wäre, warum ist man dann überhaupt Angehöriger einer bestimmten Religion? Warum tut man nicht einfach, wozu man gerade Lust hat, besucht heute die Kirche und morgen die Moschee, nur um übermorgen auf Visionssuche zu gehen? Vielleicht, weil man einen bestimmten Rahmen für seinen Glauben braucht? Und wenn man sich also für einen von mehreren Wegen entscheiden muss - macht es dann nicht auch Sinn, sich den Weg auszusuchen, welcher einem persönlich am gangbarsten erscheint?

Mag sein, daß alle Religionen sich letztendlich auf dieselbe göttliche Kraft beziehen. Aber jede macht etwas anderes daraus, und eben die Art und Weise dieses Gottesbildes macht die betreffende Religion aus. Solch ein Bild ist offenbar notwendig für uns Menschen, da die reine Göttlichkeit unfassbar ist. Wir brauchen Symbole, Metaphern, Mythen und das ganze Brimborium, um uns die Gottheit zugänglich zu machen. Meine Religion ist die Art meines Zugangs - und da ist es schon ein Unterschied, ob ich jahrelang durch finstere, feuchte Gänge irre, um ganz am Ende vielleicht ein kleines Licht in der Ferne leuchten zu sehen, oder ob ich nur die Tür zu öffnen brauche und die Göttlichkeit vor mir sehe.

zu (4): Man muß eine Religion nicht ausüben und kann trotzdem ihr Angehöriger sein

Hier stellt sich die Frage: woran merke ich eigentlich, dass jemand einer bestimmten Religion angehört, wenn er diese nicht ausübt? Nur weil er es behauptet? Wenn er morgen behauptet, ein Kaninchen zu sein - ist er dann eins?

Unter Religionsausübung verstehe ich noch nicht einmal das strikte Einhalten von Formalitäten und Ritualen. Aber wenigstens an die Grundregeln einer Religion sollte man sich halten, wenn man meint, ihr anzugehören. Was bliebe denn vom Christentum ohne die 10 Gebote oder die Nächstenliebe übrig, vom Wicca-Kult ohne die "Wiccan Rede"? Nein, nicht die "eine Religion, die der Kern von allen ist", sondern eine unbestimmbare graue Masse.

zu (5): Hexentum läßt sich prima mit verschiedenen Religionen kombinieren

Dieses Argument steht offenbar hinter der Behauptung, es gäbe christliche, jüdische, buddhistische etc. pp. Hexen. Ich habe auf jeden Fall noch nie von christlichen, jüdischen, buddhistischen Muslimen oder ähnlichem gehört. Wenn man eine Glaubensrichtung so einfach mit anderen kombinieren kann, dann hat diese Richtung allein offensichtlich nicht viel zu bieten...

Natürlich ist Hexentum recht eklektizistisch. Es ist auch völlig in Ordnung, sich mit anderen Religionen zu beschäftigen und Anregungen aus diesen ins eigene Weltbild aufzunehmen, aber wenn man eine Richtung wirklich annimmt, dann sollte man auch die Charakterfestigkeit besitzen, ganz zu konvertieren und sich nicht ein Sammelsurium aus verschiedensten Religionen zusammenbasteln, denn in diesem Fall wird man am Ende keine richtig ausüben. Für eine Hexe reicht es aus, Hexe zu sein, sie muss nicht gleichzeitig noch anderen Religionen angehören - und warum sie das auch gar nicht kann, will ich kurz am Beispiel Christentum demonstrieren.

Eine Hexe glaubt unter anderem an folgende Grundsätze:

1. Tu was Du willst - finde Deine Lebensaufgabe
2. Alles, was Du aussendest, kommt dreimal zu Dir zurück
3. das Universum besteht aus Kreisläufen, auch die Seele kehrt immer wieder
4. es gibt kein klar definiertes Gut und Böse
5. Das männliche und das weibliche Prinzip sind gleichberechtigt ( - oder das weibliche steht über dem männlichen)

Laut der Bibel gibt es keine Seelenwanderung, keine Zyklen und keine Göttin. Gott ist - zumindest im alten Testament - ein eifersüchtiger und manchmal ziemlich grausamer Herrscher, der bestimmt, was gut und was böse ist. Vielen Diskussionen mit Christen habe ich entnommen, dass es ihnen weniger darum geht, ihre Individualität zu entwickeln, als viel mehr Gottes Willen zu tun, den sie nicht in Frage stellen.

Selbst wenn ich versuche, die Änderungen sämtlicher Konzile zurückzuverfolgen, die Apokryphen hinzuzuziehen und die Lehren irgendwelcher Mystiker und Häretiker dazu zu lesen - was bleibt, ist ein patriarchaler Monotheismus, und schon damit kann sich eine Hexe eigentlich nicht identifizieren.

Hexentum ist eine eigenständige Glaubensrichtung, die man genauso schwierig mit etwas anderem vermischen kann, wie andere Religionen oder Weltanschauungen.

zu (6): Es ist wünschenswert, daß Hexen zusätzlich noch andere Religionen ausüben

Der Grund, warum gerade Hexen sich so oft zu mehreren Glaubensrichtungen bekennen, scheint mir ein falsch verstandener Toleranzgedanke zu sein. Es ist wichtig und lobenswert, Andersdenkende zu akzeptieren, aber - sagen wir mal so: ein Mann muss nicht gleich schwanger werden, nur weil er für Emanzipation ist!

Wahrscheinlich wären viele Anhänger der betreffenden Religionen sogar entsetzt, wenn jemand sich ihnen gegenüber als Hexe und gleichzeitig als Vertreter ihres Glaubens bezeichnete. Daher ist es eigentlich eine Frechheit, sich etwa christliche Hexe zu nennen - dies zeigt, dass man sich mit dem Christentum nicht wirklich auseinandergesetzt hat. Akzeptanz bedeutet nicht, anderen ungefragt Licht und Liebe aufzuzwingen, ohne sie überhaupt richtig wahrgenommen zu haben. Akzeptanz bedeutet anzuerkennen, dass andere anderer Meinung sind als man selbst, und nicht, ihre Meinungen einfach für sich zu übernehmen. Akzeptanz bedeutet Respekt vor dem Andersdenkenden und Respekt bedeutet erst zuzuhören und zu verstehen, bevor man sich ein Urteil über jemanden bildet. Insofern kann man sagen, dass jemand, der sich als christliche Hexe bezeichnet, Vorurteile hat - entweder gegen das Christentum oder gegen das Hexentum oder sogar gegen beides, denn zumindest eins von beiden hat er nicht im mindesten verstanden.

Nun gab es natürlich Zeiten, in denen Christentum und Heidentum ineinander übergingen, sich vermischten und gleichzeitig ausgeübt wurden. Die Leute damals hatten einen Grund: sie wurden missioniert und wollten trotzdem an ihren alten Bräuchen festhalten. Sie haben versucht, ihren alten Glauben so weit wie möglich in den neuen hinüberzuretten, und sicher lassen sich auch heute noch in christlichen Gebräuchen die Überreste älterer Traditionen erkennen. Jede Religion ist ja etwas historisch gewachsenes und ist in ihrer Geschichte aus verschiedenen Richtungen beeinflusst worden. Nur weil christliche Feiertage auf heidnischen Festen liegen, christliche Kirchen auf alten Kraftorten erbaut wurden oder man in der Marienverehrung Überreste eines Göttinnenkultes entdecken möchte, lassen sich Christen aber nicht als Hexen bezeichnen. Weihnachten etwa ist ein eindeutig christliches Fest, kein heidnisches. Wer lieber Jul feiern will, ist kein Christ. Heute hat jeder westeuropäische Mensch das große Glück, sich seine Religion und Weltanschauung selbst aussuchen zu können - und es wäre schon ziemlich dumm, davon keinen Gebrauch zu machen!

Der an sich schöne Gedanke des gemeinsamen Kerns aller Religionen scheint mir so Gefahr zu laufen, in völliger Beliebigkeit zu enden: wenn Hexen nicht mehr naturreligiös sind, wahrscheinlich auch nichts mit Magie zu tun haben und eigentlich jeden Tag in die Kirche rennen, sich aber selbst als jüdische Moslems bezeichnen würden und hoffen, so schnell wie möglich das Nirvana zu erreichen: was ist dann die Botschaft? Alles ist eins = alles ist egal?

Akzeptanz ist ohne gleichzeitige Abgrenzung nicht möglich. Wenn es egal ist, was man tut, was soll man dann überhaupt noch tun? Grenzt man sich nicht mit jeder Entscheidung, die man trifft, von all den anderen Dingen, für die man sich hätte ebenso entscheiden können, ab? Und wäre es nicht sinnvoll, in dieser Abgrenzung konsequent zu sein, anstatt zwischen verschiedensten Möglichkeiten hin- und herzuschwanken?

In diesem Sinne: Tu was Du willst!

Dienstag, 8. Februar 2011

Das Tier im Spiegel


Eine geführte Meditation

Das Tier im Spiegel

Lege oder setze dich bequem hin, entspanne dich und atme tief und langsam ein und aus. Schließe die Augen. Deine Augen bleiben bei der gesamten Imagination geschlossen.

Lasse vor deinem inneren Auge das Bild eines wunderschönen, blauen Nachthimmels entstehen, von Sternen übersät.
Einige der Sterne kommen dir sehr bekannt vor, da du sie schon oft bei klarem Himmel beobachtet hast.
Die Luft riecht klar und frisch. Sieh, wie der Vollmond aufgeht.

Kurze Pause.

Wende deine Aufmerksamkeit der Landschaft zu, in der du dich befindest. Es gibt Bäume, einen Weg, der durch ein Waldstück führt.
Du atmest tief ein, denn nichts ist da, was dich ängstigen könnte. Gehe diesen Weg durch den Wald und schenke allem deine Aufmerksamkeit, was du bemerkst, den Duft des Waldes, einer leichten Brise, dem federnden Boden unter deinen Füßen, dem leisen Plätschern von Wasser.

Du kommst an eine Lichtung. Dort kannst du einen kleinen Teich entdecken, in dem sich der Mond spiegelt. Du näherst dich und siehst, dass mitten im Schilf ein hölzerner Bootsteg in den Teich hineinführt. Betrete den Steg und gehe ihn bis zum Ende. Lege dich nun bäuchlings darauf, und schaue in den mondbeschienenen Wasserspiegel.

Was du jetzt siehst, ist nicht dein Gesicht, sondern das Gesicht eines Tieres, - deines Krafttieres.

Öffne dich für alles, was du jetzt siehst. Erlaube dir, alles wahrzunehmen, was es wahrzunehmen gibt. Begrüße das Tier und sage ihm deinen Namen. Frage es auch nach seinem Namen, bitte es, aus dem Wasser heraufzusteigen. Setzte oder stelle dich selber auch auf. Schaue das Tier aufmerksam an. Ist es gesund? Fühlt es sich wohl? Was tut es? Will es dir etwas sagen, vielleicht auf telepathischem Weg?

Wenn du willst, stelle ihm eine Frage, die dich beschäftigt. Frage es, ob du etwas tun kannst. Vielleicht möchte dein Tier gestreichelt werden oder in den Arm genommen. Vielleicht wünscht es sich auch, dass du im realen Leben etwas tust, woran ihm liegt.
Verabschiede dich nun und sage ich, dass du es gerne wieder treffen möchtest. Danke ihm, dass es sich gezeigt hat. Entlasse es ins Wasser. Und mache dich nun auf den Rückweg.

Gehe genauso zurück, wie du gekommen bist: über den Weg durch das Waldstück. Betrachte nochmals den blauen Nachthimmel mit dem vollen Mond und den funkelnden Sternen. Dann mache dir bewusst, dass die Reise vorbei ist, spüre den Boden unter deinem Rücken oder Füssen. Balle deine Fäuste und fühle die Kraft darin.

Atme einige male tief durch und öffne die Augen.


Der Text wurde bereits im Jahre 2002 veröffentlicht.